Mittwoch 9. Mai
Potsdamer Neueste Nachrichten
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Meine Antwort per Mail am 10.5. an die Redaktion der PNN
Sehr geehrter Herr Paul,
Sie waren nicht in der dritten Stunde meiner Performance in meinem Atelier, sondern exakt 14.19 Uhr, also genau 19 Minuten nach Beginn der Performance. Sie hielten sich 20 Minuten bei mir auf. In diesen 20 Minuten waren 2 Besucher hier, die mich erstmals kennen lernen wollten, vor'm Gitter standen und überlegten was ich da mache, da ich unbekümmert meiner Arbeit nachging, genau das was ich erreichen wollte. Sie schließen bei einer erlebten Zeit von rund einem 20-tel der Gesamtzeit auf keine Besucher während meiner Performance, schon rein statistisch fehlerhaft.
Die Performance hieß nicht: "Dinge die zu nichts nützen..." sondern "Künstlerfütterung", damit drehen Sie den Inhalt so um, so das Sie mich zum unbelebten Subjekt erklären, wie im weiteren Text zu lesen ist und mit Ihrem JEIN über Leben und Tod dieser unbelebten nutzlosen Sache entscheiden wollen. Mein Spruch heißt nicht: "Wenn ich an mich denke,..." , da kommt Ihre philosophische Vorbelastung etwas quer, sondern: "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht!"
Ein völlig anderer und zeitgemäßerer Sinn. Im Fortgang der Performance, in den von Ihnen unerlebten Achtzehnzwanzigsteln bin ich genau den Arbeiten nachgegangen, die ich tagtäglich erledige, schreiben, malen, zeichnen, lesen, Rotwein trinken, Zigarre rauchen. Vom Publikum verstanden und gut aufgenommen habe ich mich auch mal füttern lassen. Bei Ende der Performance waren spontan 18 Besucher übrig geblieben, um darüber zu reden. Im Übrigen sind alle Gäste ohne Probleme mit ihrem Auto auf unseren Hof gekommen, die Sicherheitskräfte waren sehr freundlich zu jedermann und -frau, sorry, daß gerade Sie Probleme haben mußten. Performance setzt den Willen des Betrachters voraus, sich darauf einlassen zu wollen, ich verstehe, mit Frust im Bauch geht das schwerer.
Eins steht fest, alle Besucher waren schockiert über die Massen von Menschen, die sich am Samstag Richtung Inselstadt bewegten, ein Zeichen dafür, daß sich offenes Atelier und Baumblüte nur bedingt vereinigen lassen, ein Problem, mit dem ich schon jahrelang zu arbeiten habe. 120 000 Menschen sind an mir vorbeigegangen, ohne deren Wissen arbeitete ich in meinem Atelier, mit einem Gitter geschützt und produzierte diese nutzlosen Dinge, die von 120 000 nicht gebraucht werden.....
Ich danke Ihnen ansonsten für den anregenden Artikel, den, nach mehreren Anrufen von Lesern der PNN bei mir, wohl nur wir beide richtig verstehen könnten, eine exklusive Art der Kommunikation, an der ich richtig Spaß finden kann.
Mit freundlichen Grüßen
verbleibend
Frank W.Weber - ARATORA
Künstler und Gesellschaft, Gesellschaft und Kunst - Das offene Atelier verwandele ich einfach in ein geschlossenes Atelier. Ich baue ein Gitter in die Tür, arbeite völlig unbeteiligt vom Publikum und lasse mich gegebenenfalls vom Publikum füttern. Ich werde keine Kommunikation mit dem Publikum aufnehmen, nur über einen digitalen Bildschirm werden meine Gedanken lesbar sein. Maximal lasse ich mich füttern. Und so lief die Performance auch ab. In Tüten gab es Erdnüsse und Mandeln als Futter (siehe oben) auf dem Bildschirm kamen meine Gedanken, das Publikum wollte mich füttern, teils freundlich, teil fordernd, ich nahm Notiz oder nicht, ging meiner Arbeit nach, malte, schrieb, zeichnete, rauchte eine Zigarre und trank Rotwein - alle Klischees eines Künstlers wurden im „Atelier-Zoo“ vorgeführt. Spontane Begeisterung beim Publikum, nur der Journalist der PNN wollte nicht, vergaß seine Einladung (diese sicherte die freien Zufahrt), wurde dadurch von den Sicherheitskräften des zeitgleich stattfindenden Baumblütenfestes aufgehalten und um die ganze Stadt geschickt, kam dann mit völligem inneren Frust 19 Minuten nach 14 Uhr an. Wollte sich nicht auf die Performance einlassen, hatte seine eigene Vorstellung vom Ablauf und nutzte die Macht des Kritikers - mit Worten seinen geistigen Verriss zu publizieren. Seine Kritik hatte wahre Inhalte, mein Name und meine Geburtsstadt waren richtig geschrieben, alles andere wurde in neuen Zusammenhängen in seinem Kopf reproduziert und zeigte die Unfähigkeit, bildlich ablaufende Zusammenhänge in Reihenfolge verarbeiten zu können. Gedruckt ist gedruckt, „gelatscht ist gelatscht“ - aber trotzdem hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert, würden die Berliner sagen. Das Amüsement war voll auf meiner und des Publikums Seite.
Siehe Bilder, den Artikel und meine Antwort dazu...
Ergebnis - neue Denkprozesse, neue Ideen und Orientierung die in meine Arbeit einfließen, danke an alle Probanden.
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